
In den meisten Texten verzeiht der Leser eine ungenaue Formulierung. In einem Vertrag, einem Urteil oder einer Vollmacht nicht. Bei einer juristischen Übersetzung kann ein einziges Wort darüber entscheiden, wer haftet, wer zahlt und welche Frist gilt. Deshalb gehört die Rechtsübersetzung zu den anspruchsvollsten Disziplinen im Übersetzungswesen.
Dieser Beitrag zeigt, was juristische Fachübersetzer anders machen, welche Fehler häufig vorkommen und worauf Unternehmen und Privatpersonen bei der Auswahl achten sollten.
Sprache lässt sich übersetzen, Rechtssysteme nicht. Ein deutscher Begriff wie „Grundschuld“ oder „Prokura“ existiert im englischen Common Law so nicht. Umgekehrt haben Begriffe wie „consideration“ oder „trust“ kein exaktes deutsches Gegenstück.
Ein juristischer Übersetzer muss deshalb entscheiden, ob er eine funktionale Entsprechung wählt, den Begriff umschreibt oder ihn im Original belässt und erklärt. Diese Entscheidung setzt Kenntnisse beider Rechtsordnungen voraus, nicht nur beider Sprachen.
Im Deutschen macht es einen erheblichen Unterschied, ob von „Besitz“ oder „Eigentum“ die Rede ist, ob eine Frist „unverzüglich“ oder „sofort“ gilt, ob etwas „nichtig“ oder „anfechtbar“ ist. Im Alltag werden diese Wörter verwechselt, im Recht nie.
Dasselbe gilt im Englischen für „shall“, „will“ und „may“. Wer „shall“ als bloße Zukunftsform übersetzt, macht aus einer Pflicht eine Absichtserklärung. Solche Fehler bleiben oft unbemerkt, bis es zum Streit kommt.
Juristische Übersetzungen betreffen weit mehr als Verträge. Häufig übersetzt werden:
Jede dieser Textsorten hat eigene Konventionen, Formeln und Anforderungen an die Terminologie.
Innerhalb der Europäischen Union liegen Rechtstexte in allen Amtssprachen vor, und jede Sprachfassung ist gleichermaßen verbindlich. Für Übersetzer ist die Datenbank EUR-Lex deshalb eine wertvolle Quelle, um etablierte Begriffe in mehreren Sprachen nachzuschlagen und Formulierungen abzugleichen.
Das häufigste Sprachpaar in der Praxis ist Englisch-Deutsch. Internationale Verträge werden oft auf Englisch verhandelt, müssen aber für deutsche Behörden, Gerichte oder Mitarbeitende übersetzt werden. Dabei treffen zwei sehr unterschiedliche Vertragskulturen aufeinander. Angloamerikanische Verträge sind lang und regeln jedes Detail ausdrücklich. Deutsche Verträge verlassen sich stärker auf das Gesetz und sind kürzer.
Ein guter Übersetzer glättet diese Unterschiede nicht, sondern bildet sie korrekt ab. Er fügt nichts hinzu und lässt nichts weg, auch wenn ein Satz im Deutschen ungewohnt wirkt.
Ein professionelles Übersetzungsprojekt im Rechtsbereich beginnt mit einer Prüfung des Ausgangstextes. Der Übersetzer klärt, für welches Rechtssystem die Übersetzung bestimmt ist, ob sie nur zur Information dient oder rechtlich verbindlich sein soll und ob bereits Terminologie des Mandanten existiert. Danach folgt die eigentliche Übersetzung, meist in einem CAT-Tool mit Glossar und Translation Memory.
Im dritten Schritt prüft ein zweiter Fachübersetzer den Text gegen das Original. Er achtet auf Vollständigkeit, Zahlen, Daten, Namen und die einheitliche Verwendung der Fachbegriffe. Erst dann wird die Übersetzung formatiert und, falls nötig, beglaubigt. Dieser Ablauf kostet etwas mehr Zeit, schützt aber vor genau den Fehlern, die in Verträgen besonders teuer werden.
Nicht jede Rechtsübersetzung muss denselben Status haben. Häufig dient sie nur dazu, dass eine Partei den Inhalt versteht, während allein die Originalsprache verbindlich bleibt. In zweisprachigen Verträgen wird oft geregelt, welche Fassung im Streitfall Vorrang hat. Klären Sie diese Frage vorab, denn sie beeinflusst, wie eng sich der Übersetzer an die Struktur des Originals halten muss.
Rechtsdokumente enthalten oft sensible Informationen über Personen, Unternehmen oder laufende Verfahren. Seriöse Übersetzungsbüros arbeiten mit Verschwiegenheitsvereinbarungen, gesicherten Datenwegen und klaren Zugriffsrechten. Fragen Sie ausdrücklich danach, bevor Sie Unterlagen versenden.
Soll eine Übersetzung bei Gericht, beim Standesamt oder bei einer Ausländerbehörde eingereicht werden, ist meist eine beglaubigte Fassung nötig. Diese fertigt ein öffentlich bestellter und beeidigter Übersetzer an. Das betrifft nicht nur komplexe Urteile, sondern auch alltägliche Dokumente. Wer zum Beispiel nach einem Umzug seinen Führerschein übersetzen lassen muss, braucht in vielen Fällen ebenfalls eine anerkannte Übersetzung.
Auch andere Sprachpaare spielen in deutschen Kanzleien und Gerichten eine große Rolle. Familienrechtliche Verfahren, Arbeitsverträge oder Mietstreitigkeiten erfordern regelmäßig Übersetzungen aus dem Türkischen, Polnischen, Russischen oder Arabischen. Ein erfahrener Übersetzer Türkisch Deutsch kennt dabei nicht nur die Sprache, sondern auch die Unterschiede zwischen türkischem und deutschem Recht.
Die Preise richten sich meist nach Wortanzahl oder Normzeile, nach Sprachpaar, Fachgebiet und Liefertermin. Juristische Texte liegen über dem Durchschnitt, weil sie Recherche und Spezialwissen erfordern. Beglaubigungen, Eilzuschläge und ein zusätzliches Lektorat kommen gegebenenfalls hinzu.
Billige Angebote ohne Fachübersetzer rechnen sich selten. Ein Fehler in einer Haftungsklausel kann ein Vielfaches der Übersetzungskosten verursachen.
Achten Sie auf Übersetzer mit juristischer Ausbildung oder langjähriger Erfahrung im Rechtsbereich, auf ein Vier-Augen-Prinzip und auf klare Vertraulichkeitsregeln. Die juristischen Übersetzungen von PoliLingua werden von Fachübersetzern mit Rechtskenntnissen erstellt und decken zahlreiche Sprachpaare ab, von Englisch und Französisch bis zu selteneren Sprachen.
Eine juristische Übersetzung ist keine gewöhnliche Übersetzung mit schwierigen Wörtern. Sie überträgt Rechte und Pflichten von einem System in ein anderes. Wer hier spart, riskiert Missverständnisse, die vor Gericht teuer werden können. Mit einem spezialisierten Partner, einem klaren Auftrag und ausreichend Zeit für die Prüfung sind Sie auf der sicheren Seite.